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CSRD
Mar 27, 2024
5 min
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Doppelte Wesentlichkeitsanalyse: Beispiele für Auswirkungen, Risiken und Chancen (IRO)

Zwei Nachhaltigkeitsmanager die eine Visite machen

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) sind eine zukunftsweisende Weiterentwicklung im Bereich der nicht-finanziellen Berichterstattung und ein entscheidender Standard der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Unternehmen müssen relevante, vergleichbare und verlässliche Informationen über ihre nachhaltigkeitsbezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen bereitstellen. Die ESRS enthalten detaillierte und standardisierte Offenlegungsanforderungen, damit Unternehmen über Umwelt-, soziale und wirtschaftliche Themen (ESG) berichten können. Am 3. Juli 2026 hat die EU-Kommission überarbeitete ESRS beschlossen, die die Zahl der Pflichtdatenpunkte um 61 % reduzieren; ab dem Geschäftsjahr 2027 gelten diese verpflichtend.

Was ist die doppelte Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS?

Vor der Berichterstattung über Nachhaltigkeitsaspekte ist es für Unternehmen gemäß CSRD erforderlich, eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen. Diese Analyse fordert Unternehmen auf, ihre positiven und negativen Einflüsse auf die Umwelt und Gesellschaft zu identifizieren und zu bewerten, indem sowohl potenzielle als auch tatsächliche Effekte einbezogen werden. Dabei müssen auch externe Einflüsse, die die finanzielle Performance beeinflussen könnten, berücksichtigt werden. Dieses Vorgehen fördert eine umfassende und offene Beurteilung der Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens. Die Kriterien für die doppelte Wesentlichkeitsanalyse sind in den European Sustainability Reporting Standards ESRS 1 definiert und die Ergebnisse müssen laut ESRS 2 verpflichtend berichtet werden.

Mit der ESRS-Revision vom 3. Juli 2026 wurde die Methodik vereinfacht: Ein „Top-down"-Ansatz reduziert den Aufwand bei der Bewertung einzelner IROs, das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit selbst bleibt jedoch unverändert bestehen. Für das Geschäftsjahr 2026 können Unternehmen wahlweise nach den alten oder neuen ESRS berichten.

Finanzielle Wesentlichkeit (Outside-In) Zielgruppe Investoren Risiken für das Unternehmen: Physische Risiken oder Übergangsrisiken Chancen für das Unternehmen Unternehmen Umwelt & Mensch Negative Auswirkungen durch das Unternehmen bspw. auf die Umwelt Positive Auswirkungen durch das Unternehmen bspw. durch Klimaschutz Wesentlichkeit der Auswirkungen (Inside-Out) Zielgruppe Kunden Zivilgesellschaft Mitarbeitende

ESRS-Anforderungen: Aufbau und Struktur der Standards

Die ESRS stellen einen übergeordneten Rahmen für alle betroffenen Unternehmenstypen und -größen dar. Bestehend aus zwei bereichsübergreifenden Standards (ESRS 1 und ESRS 2) sowie 10 themenspezifischen Standards, die die sogenannten Environmental, Social und Governance Themen (ESG) abdecken.

Während ESRS 1 ("Allgemeine Anforderungen") allgemeine Regeln für die Berichterstattung nach ESRS festlegt, ohne jedoch spezifische Angaben zu machen, beschreibt ESRS 2 ("Allgemeine Angaben") grundlegende Informationen, die unabhängig von der betrachteten Nachhaltigkeitsfrage veröffentlicht werden müssen und für alle Unternehmen verpflichtend sind, die unter den Geltungsbereich der CSRD fallen.

Die übrigen Standards sowie die einzelnen Offenlegungsanforderungen und Datenpunkte hängen vom Ergebnis der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ab, wobei sowohl die Inside-Out Perspektive (Wesentlichkeit der Auswirkungen) als auch die Outside-In Perspektive (Finanzielle Wesentlichkeit) berücksichtigt werden müssen. Diese beiden Perspektiven sind grundlegend für die Identifizierung der strategisch relevanten Nachhaltigkeitsthemen und der zugehörigen Berichtspflichten, wobei ESRS E1 und ESRS S1 in der Regel die Grundlage für Industrieunternehmen bilden.

IRO-Beispiele: Wesentlichkeit der Auswirkungen vs. finanzielle Wesentlichkeit

Im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ist es erforderlich, eine umfassende Betrachtung vorzunehmen, die nicht nur die zehn themenspezifischen Standards umfasst, sondern auch weitere Themenbereiche berücksichtigt. Mit der ESRS-Revision vom 3. Juli 2026 wurde die bisherige Liste aus Themen, Unter-Themen und Unter-Unter-Themen (ESRS 1, Anhang AR 16) durch eine vereinfachte, unverbindliche Liste aus Themen und Unter-Themen ersetzt (ESRS 1, Appendix A). Unternehmen müssen ihre wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen zu diesen Themen identifizieren. Wesentliche Auswirkungen beinhalten sowohl positive als auch negative Effekte der unternehmerischen Tätigkeit auf die Umwelt und Stakeholder (Wesentlichkeit der Auswirkungen), während wesentliche Risiken und Chancen die finanziellen Aspekte umfassen, die sich aus der Abhängigkeit von Ressourcen wie natürlichen, menschlichen und sozialen Faktoren ergeben (Finanzielle Wesentlichkeit).

Anbei erhalten Sie jeweils ein Beispiel zu ESRS E1, ESRS S1 und ESRS G1.

ESRS E1 – Klimawandel

Unter-Thema Wesentlichkeit der Auswirkungen Finanzielle Wesentlichkeit
Positiv Negativ Chancen Risiken
Klimaschutz Die eigene Software kann zur Nachhaltigkeit der Produkte beitragen, indem sie den exakten Materialbedarf für Komponenten berechnet. Zudem könnte eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen das eigene Produktangebot und den Zielmarkt verändern. Die Herstellung und Nutzung eigener Produkte erfordert einen hohen Energieaufwand sowie Datenverarbeitung und -speicherung, was wiederum zur Freisetzung von Treibhausgasen führt. Das wachsende Bewusstsein für Klimawandel und Umwelteinflüsse kann die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten mit geringen Emissionen steigern. Dies bietet Firmen die Chance, durch die Entwicklung und das Angebot solcher Produkte ihren Umsatz zu steigern. Fehlende Maßnahmen zum Klimaschutz können zu Wetterereignissen wie Überschwemmungen führen oder sich in Veränderungen von Gesetzen und Vorschriften niederschlagen, was sich negativ auf das Geschäft auswirken kann.

ESRS S1 – Arbeitskräfte des Unternehmens

Unter-Thema Wesentlichkeit der Auswirkungen Finanzielle Wesentlichkeit
Positiv Negativ Chancen Risiken
Arbeitsbedingungen Durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann das Wohlbefinden der Mitarbeiter gesteigert werden, was zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und -loyalität führt. Unzureichende Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen können zu physischen und psychischen Belastungen der Mitarbeiter führen, was zu Verletzungen oder Gesundheitsproblemen führen kann. Investitionen in ergonomische Arbeitsplätze und Gesundheitsprogramme können die Produktivität steigern und Fehlzeiten reduzieren, was zu Kosteneinsparungen führt. Mangelhafte Sicherheitsstandards können zu Arbeitsunfällen führen, die hohe Kosten durch Entschädigungen, medizinische Behandlungen und erhöhte Versicherungsprämien verursachen.

ESRS G1 – Unternehmensführung

Unter-Thema Wesentlichkeit der Auswirkungen Finanzielle Wesentlichkeit
Positiv Negativ Chancen Risiken
Korruption und Bestechung Die Förderung einer ethischen Unternehmenskultur und die Sensibilisierung für Korruptionsprävention tragen zu einer verbesserten Unternehmensintegrität und einem positiven Image bei Stakeholdern bei. Mangel an Transparenz und Ethik in Geschäftspraktiken kann das Vertrauen der Mitarbeiter, Kunden und der Öffentlichkeit untergraben und das soziale Kapital des Unternehmens schädigen. Durch gezielte Schulungsmaßnahmen und eine konsequente Compliance-Kultur können nicht nur finanzielle Einbußen aufgrund von Korruptionsstrafen vermieden, sondern auch das Image des Unternehmens aufgewertet und die Kundenzufriedenheit gesteigert werden. Unzureichende Anti-Korruptionsprogramme können nicht nur zu hohen Bußgeldern und Rechtskosten führen, sondern auch Geschäftsbeziehungen gefährden, das Kundenvertrauen untergraben und letztlich Umsatzeinbußen nach sich ziehen.

Von der Wesentlichkeitsanalyse zum CSRD-Reporting

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