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PCF
Sep 4, 2026
5 min
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Catena-X-PCFs: 6 Schritte für Automobilzulieferer

Zwei Nachhaltigkeitsmanager die eine Visite machen

Bei Mercedes-Benz ist Klimaneutralität in den Vertragsbedingungen verankert. Der sogenannte Ambition Letter ist ein Kriterium für Neuvergaben: Wer ihn nicht unterzeichnet, wird nicht berücksichtigt. Ab 2039 sollen nur noch Produktionsmaterialien die Werkstore passieren, die über alle Wertschöpfungsstufen bilanziell CO₂-neutral sind, mit Batteriezellen, Stahl und Aluminium als Fokusbauteilen, die rund 80% der CO₂-Emissionen ausmachen (Ambition 2039).

Das ist keine Absichtserklärung, sondern eine Beschaffungsentscheidung. Und immer mehr OEMs schreiben inzwischen vor, nicht nur welche Daten sie erwarten, sondern auch auf welchem Weg sie geliefert werden sollen: über Catena-X, für alle neuen Vergaben.

Für Zulieferer stellt sich die Frage damit neu. Es geht nicht mehr nur darum, ob ein Product Carbon Footprint (PCF) methodisch korrekt berechnet ist. Sondern darum, ob er im richtigen Format über den richtigen Kanal ankommt, damit der Kunde ihn direkt in sein eigenes Reporting übernehmen kann.

Was Catena-X ist und wie das PCF Rulebook Version 4 sich von ISO 14067 unterscheidet, haben wir in diesem Beitrag beschrieben, den methodischen Umstieg in diesem hier. Dieser Artikel setzt danach an: bei der Umsetzung.

Warum OEMs jetzt PCFs über Catena-X anfragen

PCF-Anfragen entstehen selten aus einer einzigen Pflicht. Sie kommen aus drei Richtungen:

Markt- und Kundendruck. Konkrete Datenanforderungen von Großkunden beantworten, sich gegenüber Wettbewerbern differenzieren und Anfragen proaktiv statt reaktiv begegnen.

Regulatorik und Risikomanagement. Der Digital Product Passport nach EU-ESPR wird ab 2027 schrittweise eingeführt. Die Scope-3-Berichterstattung nach CSRD und ESRS E1 verlangt Daten auf Produktebene. Bei CBAM wird die Beschaffungsrelevanz zunehmend spürbar.

Strategie und Optimierung. Dekarbonisierung durch gezielte Maßnahmen auf Produktebene, Produktentwicklung und Produktoptimierung auf Basis von CO₂-Daten.

Der Weg dieser Anforderungen durch die Lieferkette ist immer derselbe: Regulatorik trifft den OEM, der OEM fragt PCFs bei seinen Zulieferern ab, diese brauchen Primärdaten für Materialien wie Stahl oder Kunststoff von ihren eigenen Lieferanten. Jede Stufe gibt Anforderungen weiter und erhält verifizierte Emissionsdaten zurück.

Ford, Mercedes-Benz, Continental, Bosch und MAHLE haben alle konkrete Dekarbonisierungsziele veröffentlicht, die auf Daten aus der Lieferkette angewiesen sind: Ford strebt bis 2050 Klimaneutralität über Fahrzeuge, Betrieb und Lieferkette an; Mercedes-Benz will die gesamte Neufahrzeugflotte bis 2039 über alle Wertschöpfungsstufen bilanziell CO₂-neutral stellen; Continental zielt auf eine Scope-1- und -2-Intensität von 0,13 t CO₂e pro Tonne Reifenproduktion bis 2035; Bosch will Scope-3-Emissionen bis 2030 absolut um 30% senken; und MAHLE hat ein SBTi-validiertes Ziel von 28% Scope-3-Reduktion bis 2030. Wer solche Ziele verfolgt, braucht belastbare Daten aus der Lieferkette, keine Branchendurchschnitte.

Was OEMs bei Catena-X-PCFs erwarten: 5 Anforderungen

OEMs und Großkunden in der Automobillieferkette stellen fünf Anforderungen, die inzwischen als Standard gelten:

  • Primärdaten statt Durchschnittswerte, insbesondere für eingesetztes Material und Energie
  • Berechnung entlang der standardisierten Catena-X Methodik, aktuell PCF Rulebook Version 4
  • Klare Systemgrenzen (Cradle-to-Gate) und eine definierte deklarierte Einheit
  • Lückenlose Dokumentation und Verifizierbarkeit
  • Anschlussfähigkeit an das Kundenreporting über den standardisierten Catena-X-Datenraum

Das Ziel dahinter ist Vergleichbarkeit zwischen Produkten. Nur so lassen sich daraus Maßnahmen für Material, Energie und Lieferkette ableiten. Der letzte Punkt wird in Projekten regelmäßig unterschätzt: Ein methodisch einwandfreier PCF als PDF im E-Mail-Anhang erfüllt die Anforderung nicht.

Catena-X-PCFs erfolgreich einführen

Zwei Hürden tauchen in fast jedem Projekt auf. Belastbare PCFs brauchen Primärdaten, vorhanden sind aber meist Sekundärdaten oder Branchenmittel. Und ohne gemeinsamen Standard für Berechnung und Austausch löst jede Kundenanfrage einen eigenen, manuellen Prozess aus.

Diese Hürden lassen sich nicht auf einmal überwinden. Was funktioniert, ist eine schrittweise Transformation über drei Reifegrade:

Erste Schritte. Ein Referenzprodukt auswählen, erste Primärdaten erheben. Ziel ist, den richtigen Standard zu wählen, Methodik und Datenübermittlung zu etablieren und interne Stakeholder einzubinden. Priorität liegt auf einem schnellen Einstieg und einem Gefühl für die wichtigsten Hebel, nicht auf Perfektion.

Skalieren. Einen modularen Berechnungsansatz aufbauen, Primärdatenanfragen strukturieren, an ERP oder PLM anbinden und erste Schritte automatisieren. Auf dieser Stufe kommen effektive Reduktionsmaßnahmen erstmals in Betracht.

Industrialisieren. Kontinuierliche PCF-Berechnung, integriert in die Angebotserstellung, mit hohem Automatisierungsgrad bei Berechnung und Übermittlung. Die Analyse von Kostentreibern und Emissionsreduzierungen wird Teil der Produktstrategie.

Was die Catena-X-Datenraumanbindung konkret erfordert

Catena-X standardisiert nicht nur die Berechnung, sondern die gesamte Kette: das Rulebook für die Berechnung, ein open-source verfügbares Datenmodell (aktuell PCF 9.0.0), die Auffindbarkeit von Produktdaten im Netzwerk, granular steuerbare Zugriffsberechtigungen, den Austauschprozess selbst und einheitlich definierte APIs.

Technische Grundlage des Austauschs ist der EDC, kurz für Eclipse Dataspace Components, häufig einfach Connector genannt. Er verantwortet Datenaustausch und Authentifizierung zwischen zwei Partnern. Für den PCF-Anwendungsfall gibt es einen eigenen, öffentlich einsehbaren Standard (CX-0136), der neben dem Connector unter anderem digitale Zwillinge zur Produktidentifikation umfasst.

Damit stellt sich eine Make-or-Buy-Entscheidung. Wer alle Komponenten selbst aufsetzt und die Gesamtlösung anschließend zertifizieren lässt, braucht erfahrungsgemäß mehrere Monate. Wer eine bereits zertifizierte Lösung nutzt, lädt nur noch PCF-Daten hoch; zeitkritisch ist dann die Vertragsverhandlung, nicht die Technik.

In der Praxis läuft der Ablauf in fünf Schritten:

  1. Ein Autohersteller fragt den PCF für ein Bauteil über den Catena-X-Datenraum an.
  2. PCF nach dem Catena-X Rulebook in Tanso berechnen.
  3. Ergebnisse werden über die Datenraumanbindung in sovity geteilt.
  4. Unternehmen behalten dabei die vollständige Kontrolle und Datenhoheit. Der Austausch findet ausschließlich zwischen den jeweiligen Partnern statt.
  5. Aktualisierungen laufen automatisiert an alle angebundenen Kundinnen und Kunden.

Eine einmalige Integration bedient alle Kunden, die auf diesen Standard setzen. Kein Springen zwischen Portalen, keine individuellen Datenformate. Dieselben Daten bilden zudem die Grundlage für die Scope-3-Berichterstattung nach CSRD, die EU-Batterieverordnung und CBAM-Anforderungen.

„Für den Catena-X-Datenaustausch kommt es vor allem darauf an, wie gut die der PCF schon im Vorfeld aufbereitet ist. Tanso liefert Catena-X-konforme PCF-Daten, welche sich durch das KI-gestütztes Datenmanagement effizient und einfach berechnen lassen. Das ist genau die Grundlage, welche es uns bei sovity ermöglicht PCF-Daten unserer Kunden entlang gesamter Wertschöpfungsketten zu kalkulieren und auszutauschen.”
Sebastian Kleff
Sebastian Kleff
CEO & Co-Founder von sovity

Bis zu 30.000 € Förderung: der Data Space Accelerator

Das Data Space Accelerator Programm der International Data Spaces Association (IDSA) ist eine öffentlich geförderte Initiative, die Einstiegshürden in industrielle Datenräume wie Catena-X, Chem-X und Semiconductor-X senken soll. Vergütet wird der Aufwand für den produktiven Datenaustausch, gestaffelt in zwei Stufen. Voraussetzung ist in beiden Fällen ein produktiver Austausch mit mindestens einem Kunden.

Basic Path: 15.000 € für den Austausch von Unternehmenszertifikaten über Catena-X, etwa einer ISO 9001. Der inhaltliche Aufwand ist gering, der technische Zugang aber derselbe, den Sie später für PCFs brauchen.

Advanced Path: 30.000 € für die Erweiterung des Datenaustauschs um einen weiteren Use Case, beispielsweise den PCF.

Registrierung, Onboarding, produktiver Austausch und Teilnahme am Vergütungsprogramm sind die vier Schritte. Die Plätze sind begrenzt, und das Programm läuft nur noch bis Ende des Jahres. Ob Ihr Unternehmen die Teilnahmevoraussetzungen erfüllt, klären Sie am besten direkt über die Programmseite.

Checkliste: sechs Schritte zur Catena-X PCF-Readiness

  1. Scope und Verantwortung definieren: relevante Produkte, interne Zuständigkeiten, anzuwendende PCF-Standards.
  2. Kundenanfragen-Inventar erstellen: alle PCF-, CO₂- und Nachhaltigkeitsanfragen der letzten zwölf Monate sammeln. Diese Anfragen landen oft zuerst bei Sales oder Customer Service, nicht in der Nachhaltigkeitsabteilung.
  3. Datenraumanbindung planen: die Anbindung an Catena-X frühzeitig einplanen, da sie Vorlaufzeit braucht.
  4. Finanzielle Unterstützung prüfen: Relevanz der Data-Space-Accelerator-Förderung bewerten und gegebenenfalls bewerben.
  5. PCFs berechnen: Daten anlegen, berechnen und ein datenraumkonformes Format vorbereiten.
  6. Kontinuierlich verbessern: Datenqualität und Datenbasis ausbauen, PCFs regelmäßig aktualisieren.

Warum sich Catena-X auch für Nicht-Automotive-Zulieferer lohnt

Catena-X ist heute live, aber nicht allein. Factory-X für Anlagenbauer und Fabrikausrüster, Aerospace-X für die Luft- und Raumfahrt, Semiconductor-X für Halbleiter und Chem-X für die Chemie bauen alle auf derselben technologischen Basis auf, mit open-source verfügbaren Standards und Datenmodellen über alle Branchen hinweg.

Für Zulieferer ohne reines Automobilgeschäft ist das die entscheidende Nachricht: Wer heute eine Catena-X-fähige Anbindung aufbaut, deckt einen erheblichen Teil dessen ab, was aus anderen Branchen nachkommt.

Tanso und sovity: PCF-Berechnung und Catena-X-Konnektivität aus einer Hand

Tanso begleitet Automobilzulieferer beim Übergang zu Catena-X-konformen PCFs. Systemgrenzen, Cut-off-Regeln und Datenqualitätsbewertungen sind direkt in der Plattform abgebildet, die Methodik ist TÜV Rheinland zertifiziert. Bestehende PCF-Berechnungen lassen sich mit wenigen Klicks anpassen und über einen vollständigen Audit-Trail nachvollziehen. sovity liefert die Anbindung an den Datenraum, ist Experte für Data Spaces seit 2016, Qualified Advisor und Onboarding-Partner in Catena-X. Deren Lösung Quintari ist eine Catena-X Certified Solution und übernimmt den zertifizierten, interoperablen Austausch. Jetzt Demo buchen und erfahren Sie, wie Tanso und sovity Sie auf dem Weg zur Catena-X-Readiness unterstützen.

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