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PCF
May 7, 2026
5 min
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Was ist Catena-X und warum müssen Automobilzulieferer jetzt handeln?

Zwei Nachhaltigkeitsmanager die eine Visite machen

Seit April 2025 ist die Registrierung in Catena-X offiziell Teil des BMW-Einkaufsprozesses. Weitere große Automobilbauer wie Volkswagen, Mercedes-Benz oder Ford folgen demselben Kurs. Wer als Tier-1 oder Tier-2 Zulieferer noch wartet, riskiert, von OEM-Anforderungen überrollt zu werden bevor die eigene Datenbasis steht.

Dieser Artikel erklärt, was Catena-X ist, welche Rolle Product Carbon Footprints dabei spielen und was Unternehmen konkret jetzt tun sollten.

Was ist Catena-X?

Catena-X ist ein offenes, dezentrales Datenökosystem für die Automobilindustrie. Gegründet von führenden OEMs und Zulieferern wie BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz, und Schaeffler, ermöglicht es den sicheren, standardisierten Datenaustausch entlang der gesamten Lieferkette.

Das Grundprinzip: Unternehmen tauschen Daten aus, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren - die Datenhoheit bleibt beim Unternehmen selbst. Jedes Unternehmen bestimmt selbst, wem es welche Daten zur Verfügung stellt. Datensouveränität ist dabei kein Kompromiss, sondern technisch verankert.

Das Netzwerk adressiert heute eine Reihe von Use Cases: Lieferkettenresilienz, Qualitätsmanagement, kollaborative Entwicklung und, zunehmend im Fokus, den Austausch von Product Carbon Footprints (PCFs).

Warum Product Carbon Footprints sich jetzt verändern

Die Automobilindustrie steht vor einem strukturellen Problem: Scope-3-Emissionen, also die Emissionen entlang der Lieferkette, machen oft 70 bis 90 % der gesamten Emissionen aus.  Bei Elektrofahrzeugen verschiebt sich diese Verteilung dramatisch, bis zu 50 % der Emissionen fallen bereits in der Produktionsphase an. Das erfordert präzisere Berechnungen dieser Kategorien.

Das bedeutet: PCFs werden zum entscheidenden KPI, nicht mehr nur im Reporting, sondern in der Lieferantenauswahl. Und hier liegt das Problem: Bisher rechnet jedes Unternehmen nach eigener Methode. Sekundärdaten, Branchendurchschnitte, unterschiedliche Systemgrenzen: ein konsistenter Vergleich ist damit nahezu unmöglich.

Catena-X löst genau das. Statt isolierter Berechnungen und inkompatibler Formate schafft das Netzwerk einen gemeinsamen Standard: ein einheitliches Regelwerk für die Berechnung, ein standardisiertes Format für den Datenaustausch und einen Verifikationsrahmen für Vertrauen. PCF-Daten können so in der Lieferkette weitergegeben, aggregiert und geprüft werden, ohne jedes Mal von vorne anfangen zu müssen.

Das PCF Rulebook v4: Die gemeinsame Berechnungsgrundlage

Das Catena-X Product Carbon Footprint Rulebook ist das methodische Herzstück für die Umsetzung. Version 4 wurde im September 2025 veröffentlicht und ist das aktuell gültige Regelwerk.

Wichtig zu verstehen: Das Rulebook ersetzt den ISO 14067 Standard nicht, sondern baut darauf auf. Die ISO-Standards für Ökobilanz (ISO 14040/44) und für Product Carbon Footprints (ISO 14067) bilden die Grundlage. Das Catena-X Rulebook konkretisiert diese Standards dann für den Kontext der Automobillieferkette: Dort, wo ISO bewusst Interpretationsspielraum lässt, macht das Rulebook verbindliche Vorgaben. Darüber hinaus stellt Catena-X Vergleichbarkeit mit weiteren branchenspezifische Standards für Stahl (worldsteel), Aluminium (IAI, European Aluminum) und Chemie (TfS) sicher.

Das Ziel: PCFs verschiedener Unternehmen sollen methodisch vergleichbar und nach den selben Regeln berechnet sein.

ISO 14067 und das Catena-X Rulebook: Was ist der Unterschied?

Wer bereits nach ISO 14067 rechnet, hat die methodische Basis. Die meisten Berechnungsregeln sind kompatibel. Das Rulebook bringt jedoch einige wichtige Spezifikationen mit, die für den Austausch im Catena-X Ökosystem relevant sind:

1. Systemgrenze: Cradle-to-Gate ist verpflichtend

Das Catena-X Rulebook schreibt einheitlich die Systemgrenze Cradle-to-Gate vor, das heißt von der Rohstoffgewinnung bis zum Auslieferungstor. Nutzungsphase und End-of-Life sind explizit ausgeschlossen. Die klare Eingrenzung schafft Vergleichbarkeit, aber auch eine klare Anforderung an die eigene Berechnungspraxis.

2. Primary Data Share (PDS) und Data Quality Rating (DQR): Datentransparenz wird messbar

Das Rulebook führt den Primary Data Share als verpflichtend ausgewiesene Kennzahl ein. Er gibt an, welcher Anteil des PCF auf eigenen Primärdaten basiert, gemessen als prozentualer Anteil am absoluten PCF. Ergänzend wird ein Data Quality Rating (DQR) ausgewiesen, das Daten nach technischer, zeitlicher und geografischer Repräsentativität bewertet. Beide Metriken werden nach der Übergangsphase (bis Ende 2027) für den Datenaustausch über Catena-X verpflichtend. ISO kennt Anforderungen an Datenqualität, macht sie aber nicht als explizite, berichtete KPIs verbindlich.

3. Prospektive PCFs: Neue Regelungen für Zukunftswerte

Neu in Version 4 sind klare Anforderungen für prospektive PCFs, also PCFs für Produkte, die noch nicht oder noch nicht vollständig in Serie produziert werden. ISO 14067 behandelt diesen Fall nicht spezifisch. Das Catena-X Rulebook unterscheidet drei Szenarien und legt jeweils fest, welche Annahmen zulässig sind: neues Produkt ohne Vorgänger, Weiterentwicklung, oder bestehendes Produkt für zukünftiges Datum. Das wird besonders relevant, wenn OEMs PCFs schon in der Entwicklungsphase anfragen.

4. Austauschformat und Datenaustausch

ISO 14067 ist ein Berechnungsstandard. Catena-X definiert zusätzlich, wie der PCF digital ausgetauscht wird: über ein standardisiertes Datenmodell (CX-0136) und den Catena-X Datenraum. Das ist der vielleicht grundlegendste neue Baustein: nicht die Berechnung selbst, sondern die Anschlussfähigkeit an das Ökosystem.

Was bedeutet das für Unternehmen, die bereits ISO-konform rechnen?

Die gute Nachricht: Die methodische Basis stimmt. Wer heute nach ISO 14067 PCFs berechnet, muss seine Berechnungslogik nicht von Grund auf neu aufsetzen.

Was dazukommt: PDS und DQR müssen künftig explizit ausgewiesen werden. Die Systemgrenze muss konsequent als Cradle-to-Gate dokumentiert sein. Der entscheidende finale Schritt: der PCF muss in einem Format vorliegen, das im Catena-X Datenraum ausgetauscht werden kann.

Mit Tanso ist der Weg von einer ISO-konformen PCF-Berechnung zur Catena-X-Readiness kein Neustart. Unsere PCF-Software unterstützt die Berechnung nach Catena-X Anforderungen, einschließlich Primärdatenerfassung entlang der Lieferkette, konsistente Systemgrenzen und die Grundlage für PDS und DQR.

Die nächsten Schritte für Zulieferer in der Automobilindustrie

Der Handlungsdruck steigt. Wer jetzt anfängt, hat Zeit, eine belastbare Datenbasis aufzubauen. Wer wartet, riskiert, PCF-Anfragen von OEMs reaktiv und unter Zeitdruck beantworten zu müssen.

1. Methodischen Status quo prüfen: Werden PCFs bereits nach ISO 14067 berechnet? Wenn ja, ist die Basis bereits gut. Wenn nicht, ist das der erste Schritt.

2. Lücken identifizieren: Welche Anforderungen des Catena-X Rulebooks sind noch nicht erfüllt? Ist die Systemgrenze sauber als Cradle-to-Gate definiert? Werden Primärdaten systematisch erfasst? Wurden Ausschlussgrenzen eingehalten?

3. OEM-Anforderungen klären: Welche Kunden fragen bereits nach Catena-X-konformen PCFs oder werden es in absehbarer tun? Seit April 2025 ist das bei BMW bereits Realität. Es lohnt sich, Anforderungen proaktiv zu klären, statt erst auf die Anfrage zu warten.

4. Piloten für Kernprodukte starten: Sie müssen nicht das gesamte Portfolio auf einmal berechnen. Starten Sie stattdessen mit den Produkten, die für Ihre wichtigsten OEM-Kunden relevant sind, und bauen Sie dort eine belastbare Berechnungsbasis auf.

5. Onboarding in den Catena-X Datenraum planen: Der technische Anschluss an das Ökosystem (über Cofinity-X als Marktplatzbetreiber) braucht Vorlaufzeit. Planen Sie frühzeitig, welcher Implementierungsweg für Ihr Unternehmen der Beste ist.

Catena-X verändert die Spielregeln für Product Carbon Footprints in der Automobillieferkette. Die Frage ist nicht ob, sondern wann Zulieferer mitspielen müssen. Wer jetzt handelt, schafft Wettbewerbsvorteile. Wer wartet, holt höchsten noch unter Druck auf.

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