Auswirkungen, Herausforderungen und Chancen der CSRD für den deutschen Mittelstand

Klimaneutralität bis 2050: Die Ziele der EU und der Green Deal
Die Europäische Union strebt mit dem Green Deal an, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dieser ehrgeizige Plan zielt darauf ab, die europäische Wirtschaft nachhaltig zu transformieren und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die ökologische Transformation erfordert jedoch erhebliche Investitionen, wobei besonders private Finanzströme mobilisiert werden sollen.
Bedeutung der Nachhaltigkeitsinformationen für Investitionen
Um die notwendigen Investitionen von Stakeholdern zu sichern, sind detaillierte Informationen über die Nachhaltigkeit von Unternehmen unverzichtbar. Die Nachfrage nach solchen Informationen steigt stetig, da Investoren und andere Stakeholder zunehmend Wert auf nachhaltiges Wirtschaften legen.
Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
Die im Jahr 2022 eingeführte Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) stellt eine wesentliche Reform der Nachhaltigkeitsberichterstattung dar. Sie erweitert die Anzahl der berichtspflichtigen Unternehmen erheblich und standardisiert die Berichterstattung. Besonders mittelständische Unternehmen sind nun verpflichtet, umfangreiche Nachhaltigkeitsinformationen zu erheben und zu veröffentlichen.
Diese Maßnahmen sind entscheidend, um Transparenz zu schaffen und die notwendige Basis für nachhaltige Investitionen zu legen. Mit der CSRD setzt die Europäische Union einen wichtigen Schritt hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft.
Anwendungsbereich
Mit der finalen Verabschiedung des Omnibus-I-Pakets durch den Rat der Europäischen Union am 24. Februar 2026 wurde der Anwendungsbereich der CSRD deutlich verkleinert. Die ursprünglich vorgesehene stufenweise Ausweitung auf mittelständische Unternehmen und kapitalmarktorientierte KMU entfällt damit weitgehend.
Betroffen sind:
- Welle 1 (bereits berichtspflichtig): EU-Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Mio. € Umsatz.
- Welle 2 (ab dem Geschäftsjahr 2027): Weitere EU-Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Mio. € Umsatz.
- Nicht-EU-Unternehmen (ab dem Geschäftsjahr 2028): Berichtspflicht, wenn mehr als 450 Mio. € Umsatz in der EU erzielt werden und ein EU-Tochterunternehmen oder eine EU-Zweigniederlassung über 200 Mio. € Umsatz aufweist.
- Freiwillige Berichterstattung für Unternehmen außerhalb des Anwendungsbereichs: Unternehmen, die unterhalb der neuen Schwellenwerte liegen, können künftig freiwillig nach dem VSME-Standard berichten.
- Ausnahmeoption für die Mitgliedstaaten: Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, Welle-1-Unternehmen unterhalb der neuen Schwellenwerte für die Geschäftsjahre 2025 und 2026 von der Berichtspflicht auszunehmen. Der aktuelle CSRD-Gesetzesentwurf in Deutschland sieht eine entsprechende Regelung vor; aktuell gilt in Deutschland weiterhin die NFRD als Vorgängerregulierung.
Auswirkungen, Herausforderungen und Chancen der CSRD im Mittelstand
Auch wenn der Anwendungsbereich der CSRD nach Omnibus I deutlich reduziert wurde, bleiben mittelständische Unternehmen über zwei Wege betroffen: über die berichtspflichtigen Geschäftspartner in ihrer Wertschöpfungskette (mittelbare Betroffenheit) sowie über die wachsenden Erwartungen von Banken, Investoren und Ratings, die unabhängig von der gesetzlichen Pflicht nach belastbaren Nachhaltigkeitsdaten fragen.
Frühe Betroffenheit und steigender Informationsbedarf
Die Relevanz der CSRD für mittelständische Unternehmen zeigt sich besonders in der frühzeitigen Betroffenheit durch ihre Stakeholder, darunter Zulieferer und Finanzpartner, die möglicherweise bereits selbst unter die CSRD fallen und daher erhöhte und lückenlose Berichtspflichten von ihren Geschäftspartnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette verlangen. Diese Anforderungen führen zu einem verstärkten Druck auf mittelständische Unternehmen, frühzeitig eine nachhaltige Berichterstattung zu implementieren.
Für diese Unternehmen ist die Auseinandersetzung mit den Anforderungen der CSRD besonders relevant, da ihre Zulieferer oder Finanzpartner den CSRD-Vorgaben unterliegen und dementsprechend detaillierte Nachhaltigkeitsinformationen von ihren Geschäftspartnern einfordern. Dadurch wird eine transparente Berichterstattung entlang der Wertschöpfungskette unverzichtbar. Mittelständische Unternehmen müssen daher belastbare Nachhaltigkeitsdaten bereitstellen können, um die Anforderungen ihrer Stakeholder zu erfüllen und im Wettbewerb nicht durch besser aufgestellte Geschäftspartner ersetzt zu werden.
Herausforderungen
Komplexität der Nachhaltigkeitsberichterstattung
- Erhebung einer Vielzahl an neuen Informationen: Unternehmen müssen eine umfassende Menge an Daten sammeln, die über ihre bisherigen Berichtspflichten hinausgehen
- Notwendige Strukturen und Prozesse existieren intern noch nicht: Viele Unternehmen verfügen noch nicht über die notwendigen Strukturen, Erfahrungen und Routinen für eine effektive Nachhaltigkeitsberichterstattung
- Hoher Aufwand und exzessive Kosten: Der damit verbundene bürokratische Aufwand kann erheblich sein und vielen Unternehmen fehlen hierfür die Ressourcen. Laut einer Studie des VDMA liegen die Bürokratiekosten bei 1 bis 3 Prozent vom Umsatz.
Informationsbedarfe von Geschäftspartnern
- Berichtspflichtige Kunden, Zulieferer und Finanzpartner: Unternehmen sehen sich zunehmenden Anforderungen von Kunden, Zulieferern und Finanzpartnern gegenüber, die selbst berichtspflichtig sind und detaillierte Nachhaltigkeitsinformationen verlangen
- Zunehmende mittelbare Betroffenheit: Auch mittelständische Unternehmen, die zunächst nicht direkt unter die Berichtspflicht fallen, sind durch die Informationsbedarfe ihrer Geschäftspartner betroffen
Wettbewerbsauswirkungen von zunehmender Transparenz
- Verhandlungsmacht von Stakeholdern gegenüber ihren Zulieferern: Die gesteigerte Transparenz durch umfangreiche Berichterstattung erhöht die Verhandlungsmacht der Stakeholder gegenüber ihren Zulieferern, wenn diese nicht die notwendigen Informationen liefern können.
- Komplexität der Nachhaltigkeitsberichterstattung: die von der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) veröffentlichte Liste beträgt alleine 1178 Datenpunkte, die jedoch nicht nach den Themen der ESRS-Wesentlichkeitsanalyse gruppiert, weshalb eine zusätzliche Kategorisierung der Berichtsanforderungen erforderlich ist
Chancen
Eigene Nutzung der Informationen
- Einsparpotenziale und Innovationen identifizieren: Durch die detaillierte Datenerhebung können Unternehmen Einsparpotenziale entdecken und innovative Lösungen entwickeln
- ESG-Risiken intern identifizieren: Unternehmen können Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken frühzeitig erkennen und gezielt adressieren
- Haftung vorbeugen: Eine umfassende Berichterstattung hilft, potenzielle Haftungsrisiken zu minimieren
- Langfristige Weiterentwicklung des Geschäftsmodells: Nachhaltigkeitsberichte unterstützen die langfristige Anpassung und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells hin zu mehr Nachhaltigkeit
Nutzen der Berichte als Kommunikationsinstrument
- Nachhaltigkeitsberichte als strategisches Kommunikationsinstrument & Marketingtool nutzen: Berichte können gezielt als Mittel zur Kommunikation der Nachhaltigkeitsbemühungen genutzt werden, um das Unternehmensimage zu stärken
- Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen: Durch die Transparenz in Nachhaltigkeitsfragen wird das Unternehmen für potenzielle Mitarbeiter attraktiver
- Stärkere Bindung der Stakeholder: Transparente Berichterstattung fördert das Vertrauen sowie die Loyalität der Stakeholder und erfüllt ihr eigenes Bestreben nach einer nachhaltigkeitsbezogenen Berichterstattung.
- Erlaubt Zugang zu Förderkrediten: Eine gute Nachhaltigkeitsberichterstattung kann den Zugang zu staatlichen Fördermitteln und Krediten erleichtern
Strukturierte Deckung der Informationsbedarfe verschiedener Stakeholder
- Reduziert Informationsasymmetrie zwischen Käufern und Verkäufern: Berichte verringern die Informationslücken bezüglich der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells
- Decken behördlicher Informationsbedarfe und Relevanz zum Bürokratieabbau: Nachhaltigkeitsberichte erfüllen behördliche Anforderungen und tragen zur Reduzierung des bürokratischen Aufwands bei
Wie kann Tanso helfen
Tanso unterstützt mittelständische Unternehmen, die Anforderungen der CSRD zu erfüllen und ihre Nachhaltigkeitsziele durch eine prüfungsgerechte und integrierte ESRS-Berichterstattung nach höchsten Standards zu erreichen. Mit unserem Schwerpunkt auf datenintensiven Kategorien, wie dem Corporate Carbon Footprint, ermöglicht Tanso nicht nur eine standardkonforme Berichterstattung, sondern auch eine aktive Steuerung und Optimierung der ESG-Performance.









































































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