TfS-konforme PCFs berechnen: Der Umstiegsleitfaden für die Chemieindustrie

Sie berechnen bereits Product Carbon Footprints, etwa nach ISO 14067 oder dem GHG Protocol, und fragen sich, was eine Umsetzung nach der TfS PCF Guideline in der Praxis von Ihnen verlangt? Darum geht es in diesem Artikel. Wer sich zuerst einen Überblick über den Standard verschaffen möchte, findet ihn in unserem Einführungsartikel zum TfS-Standard.
Eine bestehende PCF-Berechnung nach ISO 14067 bringt Sie methodisch schon weit. Die Together for Sustainability (TfS) PCF Guideline setzt genau dort an: Sie übernimmt die Logik des Standards und schließt die Lücken, die dieser bewusst offenlassen. Trotzdem lässt sich der gewohnte Ablauf nicht eins zu eins weiterführen. Manche Regeln werden schärfer gefasst, einzelne Vorgaben kommen ganz neu dazu.
Im Folgenden zeigen wir, wie Sie den Umstieg von ISO14067 auf TfS PCFs sinnvoll strukturieren und welche methodischen Aspekte dabei den Ausschlag geben.
In vier Schritten zur TfS-Readiness
Schritt 1 und 2: Die organisatorische Grundlage
Zuständigkeiten festlegen und den Status quo erfassen
Der Anfang liegt im eigenen Haus. Nach welcher Methode sind PCFs bislang entstanden? Wer ist für die Berechnung verantwortlich, und kommt diese Person überhaupt an die nötigen Informationen aus der Lieferkette heran?
Eine TfS-konforme Berechnung endet nicht am eigenen Prozess. Sie braucht belastbare Angaben zu Rohstoffen, zu Co-Produkten und, sofern vorhanden, zu recycelten oder biobasierten Einsatzstoffen. Eine geordnete Bestandsaufnahme beantwortet dann drei Fragen: Welche PCFs gibt es bereits, auf welcher Methodik beruhen sie, und welche Nachweise sind vorhanden oder fehlen noch?
Die Bestandsaufnahme kann auch helfen, bestehende Datenlücken zu identifizieren und Pläne für die Schließung dieser Lücken und Verbesserung der Datenqualität zu planen. Denn ein belastbarer PCF, egal ob nach ISO14067 oder TfS berechnet, steht und fällt mit der Qualität der verwendeten Daten.
Methodik und Systemgrenze schriftlich festhalten
Transparente Dokumentation fordert schon ISO 14067. Die TfS PCF Guideline geht einen Schritt weiter und macht Nachvollziehbarkeit zur ausdrücklichen Bedingung. Konkret heißt das: Die Cradle-to-Gate-Systemgrenze sollte schriftlich fixiert und begründet werden. Cut-off-Entscheidungen müssen belegt sein und ausgeschlossen werden dürfen zusammengenommen nicht mehr als 3% der gesamten PCF-Emissionen. Und jede Allokation zwischen Co-Produkten braucht eine Begründung, die der TfS-Hierarchie folgt.
In der Praxis steckt dieses Wissen oft in den Köpfen einzelner Mitarbeitender, verteilt über mehrere Dateien oder in einer Tabelle, selten aber in einem Prozess, der sich nachvollziehen und anpassen lässt. Eine saubere Dokumentationsstruktur zu schaffen, ist deshalb die Basis für alles Weitere und schafft Vertrauen und Transparenz in der Beantwortung von Kundenanfragen.
Schritt 3 und 4: Die inhaltliche und technische Prüfung
Vorhandene Berechnungen mit den TfS-Vorgaben abgleichen
Am schnellsten kommen Sie über die PCFs voran, die schon vorliegen. Sie machen unmittelbar sichtbar, welche Systemgrenze gewählt wurde, welche Cut-off-Entscheidungen dahinterstehen und wie Co-Produkte bisher verteilt wurden. Eine ISO-konforme Berechnung muss dafür nicht neu beginnen. Es reicht, gezielt die Stellen zu prüfen, an denen die TfS PCF Guideline genauer wird als ISO14067, allen voran die Cut-off Regel von maximal 3%, Allokationshierarchie und zusätzliche Parameter, die für den TfS PCF-Bericht gefordert werden, wie zum Beispiel Angaben zu fossilem und biogenem Kohlenstoffgehalt. Die Struktur dafür liefert die Tabelle am Ende des Artikels.
Eine Datenstrategie für PDS und DQR aufbauen
Ab 2027 müssen PCF-Datensätze nach TfS zusätzliche Vorgaben erfüllen: Primary Data Share (PDS) und Data Quality Rating (DQR) müssen verpflichtend ausgewiesen werden. Der Primary Data Share drückt aus, welcher Teil des PCF auf Ihren eigenen Primärdaten beruht. Das Data Quality Rating stuft jeden Datensatz nach technischer, zeitlicher und geografischer Repräsentativität ein, auf einer Skala von 1 bis 5. TfS gibt hier konkrete Vorgaben zur Bewertung und Berechnung dieser beiden Zahlen und Tipps zur Verbesserung der Datenqualität über die Zeit, wie z.B. die Identifizierung von Datenquellen niedriger Qualität.
In der Praxis führt das zu einigen Leitfragen: Wie hoch ist Ihr Primärdatenanteil heute schon? Woher stammen die sekundären Emissionsfaktoren, und aus welchem Jahr sind sie? Und vor allem: Bei welchen Prozessen greifen Sie auf eigene Messwerte zurück, und wo behelfen Sie sich mit Sekundärdaten?
Basierend darauf können Sie schon jetzt mit der Entwicklung des PDS und DQR beginnen, damit die strukturierte Bewertung Ihrer Primärdaten und Datenqualität 2027 nicht zur Überraschung wird.
Wie Software den Umstieg erleichtert
Eine passende Software nimmt Ihnen vor allem beim Abgleich, bei der Auswertung und beim Übertrag der PCFs in den neuen Standard Arbeit ab. Statt bei null zu beginnen, passen Sie vorhandene PCF-Berechnungen zügig an und machen sie fit für die TfS-Anforderungen.
Im Tanso PCF-Modul ist die TfS-Unterstützung direkt eingebaut:
- Die Methodik, TfS oder ISO 14067, wählen Sie schon beim Anlegen eines Produkts, woraufhin sich die weiteren Eingabefelder von selbst anpassen.
- Bei TfS-Produkten hinterlegen Sie chemiespezifische Angaben wie die CAS-Registernummer sowie den gesamten, fossilen und biogenen Kohlenstoffgehalt des Produkts.
- Die Regeln des Standards sind hinterlegt, etwa die geforderte Vollständigkeit erfasster Massen und Emissionen sowie ein Gültigkeitszeitraum je PCF samt Erinnerung zur Überprüfung.
- PCF-Berichte geben die von TfS geforderten Parameter automatisch aus und halten die Ergebnisse anschlussfähig für andere Datenräume, wie z.B. Mattermaps (zuvor bekannt als SiGreen).
Damit lässt sich schon heute ein Großteil der TfS-Vorgaben unmittelbar in der Software abbilden und PCFs in kürzester Zeit von ISO14067 auf TfS anpassen. Wo noch Lücken oder Fragen offen bleiben, helfen unsere Expertinnen und Experten, sie aufzuspüren und zu schließen.
Checkliste: Die konkreten Unterschiede zwischen ISO14067 und TfS
Die Tabelle fasst die zentralen methodischen Vorgaben der TfS PCF Guideline zusammen, sortiert danach, wann sie relevant werden.
Fazit
Der Wechsel zur TfS PCF Guideline bedeutet keinen Bruch mit bisherigen Berechnungen, verlangt aber mehr als ein paar Stellschrauben an der Methodik. Ebenso wichtig wie die Rechenregeln sind eine belastbare Dokumentation, eine durchdachte Datenstruktur und ein klar geregelter interner Ablauf. Wer früh mit der Bestandsaufnahme startet und die Datenstrategie rechtzeitig aufsetzt, kann erfolgreich seine PCF-Berechnungen von ISO14067 auf TfS umstellen.














































































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