Welche PPWR-Software passt zu Ihrem Industrieunternehmen? Fünf Lösungen im Vergleich
Ab dem 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR, Verordnung (EU) 2025/40) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Sie ersetzt die bisherige Verpackungsrichtlinie und macht aus einem fragmentierten Flickenteppich nationaler Vorschriften erstmals ein einheitliches, direkt anwendbares Regelwerk. Für Industrieunternehmen bedeutet das: Jede Verpackung, die in der EU in Verkehr gebracht wird, muss nachweisbar bestimmten Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteil, Schadstoffgrenzwerte und Kennzeichnung genügen. Und für jede dieser Anforderungen braucht es Daten.
Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung. Die regulatorischen Vorgaben sind anspruchsvoll, aber beherrschbar. Die Datengrundlage, um sie zu erfüllen, ist es in den seltensten Fällen. Verpackungsinformationen liegen verstreut in ERP-Systemen, Excel-Listen, Lieferantenspezifikationen und PDF-Datenblättern. Wer Konformitätserklärungen, technische Dokumentationen und EPR-Meldungen manuell zusammenträgt, bindet über Monate Kapazität und riskiert Fehler, die im Audit teuer werden.
Spezialisierte PPWR-Software setzt an genau diesem Punkt an. In diesem Beitrag ordnen wir den Markt ein, zeigen, worauf es bei der Auswahl ankommt, und stellen die fünf aus unserer Sicht relevantesten Lösungen für Industrieunternehmen vor.
Warum Unternehmen auf spezialisierte PPWR-Software setzen
Die PPWR verlagert die Compliance-Last von einer einmaligen Meldung hin zu einem dauerhaften, datengetriebenen Prozess. Drei Entwicklungen treiben den Bedarf an dedizierter Software:
- Nachweispflicht pro Verpackung: Konformität muss nicht pauschal, sondern pro Verpackungseinheit belegt werden – inklusive Materialzusammensetzung, Gewichten und Bestandteilen. Bei Portfolios mit Hunderten oder Tausenden Verpackungen ist das in Tabellen nicht mehr sauber abbildbar.
- Lieferkettenabhängigkeit: Ein Großteil der relevanten Daten, etwa zu Materialien, Rezyklatanteilen oder PFAS, kommt von Lieferanten. Ohne strukturierten Abfrageprozess bleibt die Datenbasis lückenhaft.
- Mehrländer-Komplexität: EPR-Registrierung und modulierte Gebühren unterscheiden sich von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat. Wer in mehreren EU-Märkten verkauft, braucht ein System, das diese Logik abbildet.
Eine spezialisierte Lösung bündelt diese Aufgaben an einem Ort, statt sie über Abteilungen und Werkzeuge zu verteilen.
Herausforderungen manueller Datenerhebung
Die meisten Industrieunternehmen starten ihre PPWR-Vorbereitung mit einer Excel-Liste. Das funktioniert bis zu einem gewissen Punkt, stößt aber schnell an Grenzen:
- Datensilos: Stammdaten liegen im ERP, Materialdaten beim Lieferanten, Recyclingbewertungen in einem dritten Tool. Niemand hat den vollständigen Blick.
- Keine Revisionssicherheit: Wer hat welche Angabe wann geändert? Für ein prüfungssicheres Dossier ist ein nachvollziehbarer Audit-Trail Pflicht, den Tabellen nicht liefern.
- Lieferantenkommunikation per Mail: Datenabfragen per E-Mail sind fehleranfällig, schlecht nachverfolgbar und skalieren nicht über Dutzende oder Hunderte Lieferanten.
- Kein direkter Bezug zum Regelwerk: Eine Tabelle weiß nicht, ob ein Schadstoffgrenzwert eingehalten oder ein Rezyklatanteil verfehlt wird. Die Bewertung bleibt Handarbeit.
Hinzu kommt die EPR-Dimension: Erweiterte Herstellerverantwortung, modulierte Gebühren und die Registrierung im LUCID-Register sind ein Thema für sich, das eng mit den Verpackungsdaten verzahnt ist.
Vorteile einer PPWR-Software
Eine spezialisierte Lösung adressiert die genannten Probleme systematisch:
- Zentrale Datenhaltung: Alle verpackungsrelevanten Stamm-, Material- und Bestandteildaten an einem Ort.
- Automatisierte Compliance-Bewertung: Die Software prüft jede Verpackung gegen die PPWR-Anforderungen und zeigt direkt, wo Konformität gegeben ist und wo Daten oder Maßnahmen fehlen.
- Strukturierte Lieferantenabfrage: Standardisierte Fragebögen und Portale ersetzen die Mail-Kommunikation und schließen Datenlücken nachvollziehbar.
- Automatische Dokumentenerzeugung: Konformitätserklärung und technische Dokumentation werden auf Knopfdruck und prüfungssicher generiert.
- Audit-Trail und Skalierbarkeit: Jede Änderung ist nachvollziehbar, und das System wächst mit dem Portfolio mit.
Die Top 5 PPWR-Softwarelösungen im Überblick
Der Markt für PPWR-Software ist 2026 jung und in Bewegung. Die folgenden fünf Lösungen decken unterschiedliche Schwerpunkte ab, von der ERP-integrierten Compliance-Plattform bis zum spezialisierten Verpackungsmanagement. Welche am besten passt, hängt von Portfoliogröße, Datenreife und bestehender Systemlandschaft ab.
Hinweis: Dieser Artikel stammt von Tanso. Wir führen uns selbst im Vergleich auf.
1. Tanso
Tanso ist eine ESG- und Product-Compliance-Plattform für mittelständische und große Industrieunternehmen im DACH-Raum, die Carbon Accounting, Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und produktbezogene Compliance-Anforderungen wie PPWR in einem System verbindet. Das PPWR-Modul bildet die Verpackungswelt in einer klaren Hierarchie ab, von Artikeln über Verpackungen und deren Bestandteile bis zu den zugehörigen Lieferanten, und bewertet jede Verpackung automatisch gegen die PPWR-Anforderungen. Was Tanso von reinen Verpackungstools unterscheidet: PPWR-Daten lassen sich direkt mit Product Carbon Footprints, Lebenszyklusanalysen und CSRD-Reporting verknüpfen, da alle Module auf derselben Datenbasis aufbauen.
Zentrale Eigenschaften
- Datenmodell von Artikel über Verpackung und Bestandteil bis Lieferant
- Automatisierte Compliance-Bewertung pro Verpackung (Schadstoffgrenzwerte, Rezyklatanteil, Recyclingfähigkeit)
- Integriertes Lieferantenportal mit strukturiertem Fragenkatalog
- Automatische Erzeugung von Konformitätserklärung und technischer Dokumentation; AI-Copilot liest PDF-Datenblätter aus
- Anbindung an bestehende Systeme wie SAP, Microsoft Dynamics, SharePoint und Excel
Wer absieht, dass nach der PPWR weitere produktbezogene Compliance-Anforderungen folgen werden, baut mit Tanso auf einer Plattform auf, die dafür bereits heute konzipiert ist.
2. PackIntelX
PackIntelX ist eine auf PPWR spezialisierte digitale Compliance-Plattform, die aus dem Recycling- und Kunststoffabfallsektor heraus entstanden ist. Die Plattform richtet sich an Verpackungserzeuger, Markeninhaber und Importeure, die Verpackungen auf dem EU-Markt in Verkehr bringen. Besonders hervorzuheben ist die Kooperation mit RecyClass und SGS Institut Fresenius, die akkreditierte Nachweise über rein softwarebasierte Selbstbewertungen hinaus ermöglicht.
Zentrale Eigenschaften
- Zentrale Datenverwaltung mit Lieferantenportal
- Erzeugung von Konformitätserklärungen mit geführten Templates und automatisierten Workflows
- Recyclingfähigkeitsbewertung nach PPWR-Artikel 6 (RecyClass, inkl. reale Recyclingtests)
- PFAS- und Schwermetallanalyse nach PPWR-Artikel 5 (SGS Institut Fresenius)
- EPR Navigator: Mehrländer-Lizenzen und PRO-Angebotsvergleich
PackIntelX eignet sich besonders für Unternehmen, bei denen die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und der Nachweis nach PPWR-Artikel 5 und 6 im Vordergrund stehen, und die EPR in mehreren EU-Märkten managen müssen.
3. Packa
Packa ist eine auf Verpackungsmanagement spezialisierte Lösung mit klarem Fokus auf große, datenintensive Portfolios, insbesondere im FMCG-Umfeld. Die Plattform bündelt Verpackungsdaten, Spezifikationen und Compliance-Nachweise in einem System. Neben PPWR adressiert Packa auch EPR-Kosten und den digitalen Produktpass.
Zentrale Eigenschaften
- KI-gestützte Extraktion von Verpackungsdaten (Material, Schichten, Gewicht, Rezyklatanteil) aus Dokumenten
- Automatisierte Compliance-Prüfungen, Recyclingfähigkeitsbewertung und CO₂-Berechnung auf Artikelebene
- Erzeugung von Konformitätserklärungen und EPR-Kostenanalyse
- Datenlückenanalyse für PPWR, EPR und den digitalen Produktpass
Packa ist die passende Wahl für Konsumgüterhersteller mit großen Portfolios, die PPWR-Compliance und Verpackungsoptimierung gemeinsam angehen und dabei auf KI-gestützte Automatisierung setzen wollen.
4. Consust
Consust ist eine deutsche ESG-Softwareplattform (FramesCube), die ein breites Spektrum an Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten in einem System abdeckt: von CSRD und EU-Taxonomie über LkSG bis hin zur PPWR. Das PPWR-Modul ist in die bestehende Plattformstruktur eingebettet und profitiert von denselben Mechanismen: KI-gestützte Datenerfassung, geführte Workflows und integrierte Beratungsexpertise.
Zentrale Eigenschaften
- PPWR-Modul mit Datenverwaltung, Zieldefinition und Maßnahmentracking
- KI-gestützte Workflows, integrierte FAQs und Best Practices
- Abdeckung weiterer ESG-Pflichten: CSRD/ESRS, EU-Taxonomie, LkSG/CSDDD, CCF, VSME u. a.
- Audit-sichere Workflows mit vollständigem Änderungsprotokoll
Consust ist die richtige Wahl für Unternehmen, die PPWR als Teil einer breiteren ESG-Reporting-Agenda angehen, neben CSRD, EU-Taxonomie und Carbon Footprint. Wer dagegen eine operative Lösung für das Verpackungsportfolio sucht, ist bei einer spezialisierten Plattform besser aufgehoben.
5. SAP Responsible Design and Production
SAP Responsible Design and Production (RDP) ist die Antwort von SAP auf EPR, Kunststoffsteuern und Verpackungsregulierung. Die Lösung ist nativ in S/4HANA und die SAP Business Technology Platform integriert und damit insbesondere für Unternehmen relevant, die bereits tief in der SAP-Welt verankert sind. Der Ansatz ist transaktionsorientiert: Verpackungsdaten werden mit realen Absatz- und Mengendaten verknüpft, was eine besonders belastbare Grundlage für EPR-Meldungen schafft.
Zentrale Eigenschaften
- Native Integration in S/4HANA und die SAP Business Technology Platform
- EPR-Gebühren, Kunststoffsteuern und Meldepflichten für viele Länder
- Verpackungszusammensetzungen über primäre, sekundäre und tertiäre Ebenen
- Verknüpfung mit realen Absatzdaten für prüfungssichere EPR-Berichte
- Vorkonfigurierte Berichte für CITEO, CONAI, spanische Kunststoffsteuer u. a.
SAP RDP ist die naheliegende Wahl für große Unternehmen, die bereits vollständig auf S/4HANA aufgebaut sind und EPR-Meldungen sowie Verpackungsdaten aus einem System heraus managen wollen.
Fazit: Die richtige Lösung hängt von Ihrer Ausgangslage ab
Jede der fünf Lösungen hat ihre Daseinsberechtigung. SAP RDP ist die naheliegende Wahl für Unternehmen, die bereits vollständig auf SAP aufgebaut sind. Packa adressiert FMCG-Unternehmen mit großen, datenintensiven Portfolios. Consust ist stark, wenn PPWR Teil einer breiteren ESG-Berichtsstrategie ist. PackIntelX überzeugt mit ausgewiesener Recyclingexpertise und einem strukturierten EPR-Ansatz für mehrere Märkte.
Für mittelständische und große Industrieunternehmen, deren Verpackungsdaten heute noch verstreut vorliegen und die PPWR als ersten Schritt einer umfassenderen Product-Compliance-Strategie verstehen, ist Tanso besonders relevant. Der entscheidende Unterschied: Tanso setzt nicht voraus, was in der Praxis selten vorhanden ist: eine vollständige, saubere Datenbasis. Die Plattform trifft Unternehmen dort, wo sie wirklich stehen, und begleitet sie von dort aus strukturiert zur Konformität.
Entscheidend ist, jetzt zu handeln. Die PPWR gilt ab dem 12. August 2026. Wer die Auswahl der passenden Software heute angeht, verschafft sich den nötigen Spielraum bis zum Stichtag.
Haben Sie noch Fragen zu den konkreten PPWR-Anforderungen? Unser PPWR FAQ für Hersteller gibt Antworten auf die häufigsten Fragen zu Konformität, Kennzeichnung und EPR.
Disclaimer: Die Angaben zu den verglichenen Softwarelösungen basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen (Websites, Produktseiten, Dokumentationen) mit Stand Juni 2026. Wir haben uns um eine faire und sachliche Darstellung bemüht, können aber keine Vollständigkeit oder fortlaufende Aktualität garantieren. Funktionen können sich ändern, wir empfehlen, die Anbieter direkt zu kontaktieren, bevor Sie eine Kaufentscheidung treffen.









































































.avif)







.avif)
.jpg)


















