Insetting
Insetting bezeichnet die Finanzierung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, die unmittelbar innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette eines Unternehmens stattfinden. Im Unterschied zum klassischen Offsetting, bei dem Emissionen durch den Erwerb von Zertifikaten aus unternehmensfremden Projekten kompensiert werden, zielt Insetting darauf ab, Emissionen dort zu vermeiden oder zu reduzieren, wo sie innerhalb der eigenen Lieferkette tatsächlich entstehen.
Typische Insetting-Maßnahmen umfassen etwa die Förderung von Agroforstwirtschaft oder regenerativer Landwirtschaft bei landwirtschaftlichen Zulieferern, Investitionen in erneuerbare Energien oder Energieeffizienz an Produktionsstandorten von Lieferanten sowie Programme zur Wiederaufforstung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen innerhalb der eigenen Beschaffungskette. Besonders verbreitet ist Insetting daher in Branchen mit eng verknüpften, oft langfristigen Lieferantenbeziehungen, etwa in der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft.
Ein wesentlicher Vorteil von Insetting liegt in der direkten Verbindung zu den tatsächlichen Scope-3-Emissionen eines Unternehmens: Da die Maßnahmen innerhalb der eigenen Lieferkette umgesetzt werden, lassen sich Wirkung und Datenqualität in der Regel besser nachvollziehen als bei externen Ausgleichsprojekten. Zugleich stärkt Insetting häufig die Resilienz und Rückverfolgbarkeit der Lieferkette und schafft einen doppelten Nutzen für Unternehmen und Zulieferer.
Anders als beim Offsetting existiert für Insetting bislang kein einheitlicher, breit anerkannter Zertifizierungsstandard, was Vergleichbarkeit und Nachprüfbarkeit erschwert. Erfolgreiche Umsetzung erfordert daher belastbare Primärdaten sowie stabile, langfristige Lieferantenbeziehungen. Angesichts wachsender Kritik an klassischen Kompensationsansätzen und einer stärkeren Ausrichtung von Klimazielen wie denen der Science Based Targets Initiative (SBTi) auf tatsächliche Emissionsreduktion gewinnt Insetting zunehmend an Bedeutung.