Grenzvermeidungskostenkurve (MACC)
Eine Grenzvermeidungskostenkurve, im Englischen Marginal Abatement Cost Curve und daher meist mit MACC abgekürzt, stellt grafisch dar, welche Kosten oder Einsparungen mit der Reduktion einer zusätzlichen Einheit an Treibhausgasemissionen durch eine bestimmte Maßnahme verbunden sind, gemessen am jeweiligen Minderungspotenzial. Das zugrunde liegende ökonomische Konzept der Grenzvermeidungskosten stammt bereits aus den 1990er-Jahren, wurde jedoch insbesondere durch eine 2007 von der Unternehmensberatung McKinsey für ein schwedisches Energieversorgungsunternehmen entwickelte Kurve einem breiteren Publikum bekannt und seither in zahlreichen Studien und Unternehmensanwendungen weiterentwickelt.
Zur Erstellung einer MACC werden für jede betrachtete Klimaschutzmaßnahme, etwa Energieeffizienzsteigerungen, Elektrifizierung, Brennstoffwechsel oder Technologien zur Kohlenstoffabscheidung, die Grenzkosten je vermiedener Tonne CO2-Äquivalent berechnet und den jeweiligen Minderungspotenzialen zugeordnet. Die Maßnahmen werden anschließend nach aufsteigenden Kosten sortiert dargestellt: Maßnahmen mit negativen Kosten erzielen Nettoeinsparungen, während Maßnahmen oberhalb der Nulllinie mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.
Unternehmen nutzen MACCs vor allem, um Dekarbonisierungsmaßnahmen entlang ihrer Wertschöpfungskette zu priorisieren und Investitionsentscheidungen auf Basis ihrer Kosteneffizienz zu treffen. Auch auf staatlicher und sektoraler Ebene dienen MACCs als Grundlage für die Gestaltung klimapolitischer Instrumente und Förderprogramme.
Die Aussagekraft einer MACC ist jedoch begrenzt: Sie stellt eine statische Momentaufnahme dar, die sich mit veränderten Technologiekosten, Energiepreisen oder regulatorischen Rahmenbedingungen verschiebt, berücksichtigt Wechselwirkungen zwischen einzelnen Maßnahmen nur eingeschränkt und blendet nicht-monetäre Umsetzungshürden wie organisatorische oder technische Restriktionen weitgehend aus. Eine MACC sollte daher als Entscheidungshilfe und nicht als alleinige Grundlage für die Klimastrategie eines Unternehmens verstanden werden.